Warum ich von meiner BasenFasten Kur in Salzburg frühzeitig abgereist bin…

Vor einigen Wochen habe ich auf Facebook eine Anzeige entdeckt: Ein Biohotel in Salzburg bietet BasenFasten an. Ich möchte hier den Namen bewusst nicht nennen, weil es nicht um das Hotel geht, sondern um eine Entscheidung, die ich anschließend treffen sollte. Die Bilder haben traumhaft ausgesehen, 5 Tage auf einem Berg (oder sagen wir Hügel), inmitten einer traumhaften Natur, Badeteich beim Hotel und eben das Angebot des BasenFastens. Gleich hatte ich 5 Tage gebucht, denn sogar der Hund war willkommen. Warum ich alleine wegfahren wollte und warum ich mich nur basisch ernähren wollte, ist einfach erklärt: Ich habe jede Menge zu schreiben, vor allem für mein neues großes Projekt, das im September startet. In Kürze werde ich darüber berichten. Nein, es ist kein Buch, das neue Buch kommt erst 2020 dran. Alles kann ich nicht auf einmal machen 🙂 Dort am Berg dachte ich, werde ich in Ruhe schreiben können. Keine Termine in meiner Praxis, keine beruflichen, keine privaten Alltagsdinge würden mich vom Denken und Schreiben ablenken.

In Salzburg angekommen, war ich begeistert von dieser prachtvollen Natur. Bin gleich mit meiner Piti rauf auf die Wiese und mal eine Stunde gegangen, überwältigend schön. Zurück gekommen ins Hotel, habe ich mich bald zum Abendessen begeben. Oh, mich hat man separat gesetzt, weil ich mit dem Hund nicht in das ’schöne‘ Gastzimmer darf. Was komisch ist, denn der Hund zahlt pro Tag 8 Euro einfach nur, dass er mit ist. Nun saß ich da im schiachen Schankraum ganz alleine, die anderen Gäste saßen ein paar Meter weiter am gedeckten Tisch und haben einander kennen lernen dürfen 🙂 Ich saß da mit meiner ungewürzten Suppe und dem getrockneten Schnittlauch drauf.

Wie Ihr wisst, kenne ich mich ja besonders gut aus mit BasenFasten, habe ich doch selbst ein Konzept entwickelt, mit dem man gut abnehmen kann, wenn man das möchte. Ich wollte auch gerne 1-2 Kilos abnehmen, aber das war nicht der Grund für meine Entscheidung. Ich wollte streng basisch essen und bekocht werden, wollte detoxen, ‚entschlacken‘, eben ‚entgiften‘. Wollte bewusst auf Kaffee, Wein und tierische Lebensmittel verzichten.

Was mir allerdings hier abends, mittags und zum Frühstück kredenzt wurde, war im höchsten Maße dreist. Alles ungewürzt, keine Nüsse, keine Samen, keine frischen Früchte, keine frischen Kräuter, keine Auswahl an guten basischen Toppings, nichts. Einfach Gemüse gekocht und auf den Teller geklatscht. Und ich war ständig hungrig. Ich hasse es, hungrig zu sein. Das ist das Schlimmste für mich, daher ging es mir richtig schlecht. Die waren nicht sonderlich kooperativ in diesem Hotel.

Ich fragte mich, sollte ich in den Ort fahren und mir etwas zu essen besorgen? Denn als ich mal bei einem Frühstück (gekochter, ungewürzter, geschmackloser Quinoa mit 3 gewärmten Zwetschken aus der Dose) nachgefragt hatte, ob ich denn noch Zwetschken bekommen dürfe, sagte man mir: ‚Muass i schauen, i glaub aber net. De san abzählt.‘ Okayyyyy. Interessant. Ich fuhr nicht in den Ort, weil ich nicht ins Auto steigen wollte und weil ich mir blöd vorkam, mir Essen zu besorgen. Arbeiten konnte ich dort übrigens auch nicht richtig gut, denn die haben kein Wlan im Haus. Wer hätte gedacht, dass man im Jahr 2019 bei einer Zimmerreservierung noch nach einem Wlan fragen muss.

Zusammenfassend: Schlechtes Essen und das zu wenig. Außerdem gab es einmal Spargel mittags (ohne Kartoffel) und der ist nicht mal basisch, sondern sauer. Schlechte Betreuung, liebloses, gleichgültiges Verhalten. Ich habe nach der zweiten Nacht nach der Rechnung gefragt. Ungehalten wollten sie mir alle 5 Nächte verrechnen, stand so im Kleingedruckten ihres Angebotes, dass sie das dürften. Ich habe ihnen 3 statt 2 Nächte bezahlt – sozusagen ein Vergleichsangebot gemacht – sie haben es angenommen und ich habe auf Speedy Gonzales gemacht und war weg.

Warum ich das getan habe? Warum ich abgereist bin? Weil ich es mir wert bin. Weil sich jeder von uns es wert sein sollte! Jeder sollte für sich einstehen. Ja, ich hatte einen Verlust, aber am Ende des Tages hatte ich einen Gewinn, weil ich mir treu geblieben bin. Weil ich nicht in einer Situation geblieben bin, die mir unangenehm war, in der ich mich schlecht fühlte. Nur, weil es so vereinbart war, nur weil ich es so reserviert hatte, musste ich noch lange nicht bleiben. Wir können immer neu entscheiden! Jeden Tag. Egal, worum es geht. Um ehrlich zu sein, es hatte schon Mut gebraucht, zu sagen, dass ich abreise, denn Konfrontationen sind mir seit jeher unangenehm, weil sie Energieräuber sind. Aber schlechtes Essen und lieblose Betreuung um mein Geld ist dann doch zu viel.

Das Wichtigste: BasenFasten darf nicht Hungern bedeuten! Ganz schlimm!
Wer mich kennt, weiß, dass ich immer schon eines gesagt habe: Abnehmen kann man nur mit Essen! Am besten mit Essen, das auch schmeckt.

Bei meinem BasenFasten Konzept gibt es gutes Essen, 3 x täglich, man wird angenehm satt UND man nimmt damit ab. So soll das sein! Nun bin ich glücklich zu Hause und koche mir halt selber was Feines, oder ich hole mir so wie heute eine Honu Tiki Bowl mit Quinoa und picknicke mit meiner liebsten Tochter vor ihrer Schule in ihrer Pause, mitten im ersten Bezirk auf der Wiese auf einer Decke. Glück pur.

So geht gutes Leben! Gewinn statt Verzicht! Alles eine Frage der Perspektive. Das Leben kann so gut sein. Wenn es mal nicht so gut läuft, dann bleibe nicht stehen, finde dich nicht damit ab, sondern tue etwas! Für dich. Es lohnt sich. Immer. Deine Ursula

Alles ist möglich? Ist alles möglich? Ich sage: VIELES ist möglich!

Seit vielen Jahren beobachte ich, was Menschen alles möglich gemacht haben, das sie sich vorgenommen, gewünscht hatten. Am Anfang steht immer der Wunsch. Darauf folgt die Entscheidung, den Wunsch zum Ziel zu machen. Ein Plan wird ausgearbeitet, dann geht es ins TUN.

50.000 Gedanken haben wir durchschnittlich pro Tag. Die meisten von uns fragen sich nicht wirklich, ob und wie positive oder negative Gedanken auf uns wirken. Und doch wirken sie. Viele unserer Verhaltensmuster oder Entscheidungen entspringen diesen bewussten und unbewussten Gedanken. Sie beeinflussen uns in unserem Tun. Wenn es also möglich ist, die Gedanken zu beeinflussen, warum trainieren wir nicht gleich die Fähigkeit, unsere Gedanken in positive umzuwandeln.
Ich halte viel von Mindsetting, ich arbeite mit Mindsetting Modulen. Wenn man abnehmen möchte, muss man sich auch seine Gefühle und Gedanken zu seinen besten Freunden machen. Unser Gehirn ist bekanntlich in zwei Hälften geteilt. Die rechte ist für Gefühle und Phantasie zuständig, die linke fürs analytische Denken und unsere Kommunikationsfähigkeit.

Wenn wir unsere Wünsche und Ziele nicht nur in unseren Gedanken visualisieren, sondern auch mit der Hand auf einem schönen Blatt Papier aufschreiben, trainieren wir beide Gehirnhälften und die Gedanken manifestieren sich leichter. Ich mache das seit vielen Jahren, ich visualisiere meine Ziele. Ich schreibe alles auf. Dabei sehe ich mich an diesem Ziel, im Detail formuliere ich die Sätze, schreibe sie auf, lese sie immer wieder durch. Und SCHWUPS ist es da, das Ziel. Ich habe vor kurzem ein neues, schönes Ziel formuliert und bin nun am Weg.  Schön zu sehen, dass es genau in die richtige Richtung geht. Meine Gedanken beeinflussen meine Entscheidungen und meine Handlungen. Funktioniert bei jedem von uns.

Daher sage ich aus Überzeugung und Erfahrung:
JA! Das Meiste ist möglich! Nachmachen lohnt sich! 

Habt es fein und habt gute Gedanken, eure Ursula

Vieles ist möglich

Kann man mit einem trockenen Hendl nachhaltig abnehmen? Ich sage Nein!

Warum mich diese beiden Fotos und vor allem der Text dazu von der jungen Frau, die mir vor ein paar Tagen im Internet begegneten und die sich förmlich und öffentlich zum Abnehmen zwingt, so emotionalisieren, das möchte ich heute hier schreiben.

Ich kenne die Dame aus Deutschland nicht, man sieht weder ihren Namen noch ihr Gesicht, daher erlaube ich mir diese beiden Fotos als Beispiel zu posten. Als Beispiel dafür, mit welcher Einstellung man auf gar keinen Fall mit dem Abnehmen beginnen sollte. Ich beschäftige mich schon mein ganzes Leben mit dem großen Thema Ernährung aber auch mit dem für mich noch größeren Thema Abnehmen, hatte ich doch selbst einmal 30 Kilo in einem Stück abgenommen und schließlich habe ich ‚Gesundes Abnehmen’ zum Schwerpunkt meines Konzeptes bzw. Berufes als Ernährungsberaterin gemacht.

Zurück zum Foto. Diese Frau möchte abnehmen, so weit so klar. Sie macht aber meines Erachtens zwei grundlegende Fehler, die ihr Vorhaben leider scheitern lassen werden. Vielleicht nimmt sie sogar etwas ab, aber das neue Gewicht erhalten, wird sie ganz bestimmt nicht. Denn zum einen geht sie in die Abwertung und Geringschätzung gegen sich selbst (Selbsthass ist ein ganz schlechter Motivator) zum anderen isst sie das Falsche. Wie ich das meine? Sie postet sich in Shorts mit den Worten ‚Ich muss mich hier bloß stellen, damit noch mehr omg ist die fett geworden schreiben‘. Sie schreibt sogar, dass sie sich damit bestraft. Das tut mir ehrlich weh, zu lesen.

Ich weiß, dass es oft schwer ist, sich zu mögen, wenn man seinen Körper ablehnt. Aber genau das ist die Grundvoraussetzung für eine Veränderung. Akzeptanz! Man muss sich die eigene Psyche zum Verbündeten machen. Das klingt jetzt pathetisch, aber man muss lernen, sich selbst zu verzeihen! Verzeihen, dass man sich selbst in diese Situation gebracht hat, in die Situation, dass man durch den Verlust seines Wohlfühl-Gewichtes, seiner Form, seiner Figur ins Gegenteil gerutscht ist, nämlich in einen Zustand des Unwohlfühlens. Viele fühlen sich als Verlierer, weil sie ihr Gewicht nicht erhalten konnten, weil sie den Wohlfühl-Zustand verloren haben. Ja, das kann passieren, dass man ‚es’ einige Zeit lang schleifen lässt, vielleicht sogar, dass man sich selbst sabotiert und in die Phase ‚Mir ist eh schon alles egal’ oder ‚Das schaffe ich eh nie’ gerät. Solche Glaubenssätze verstärken die Negativspirale und Zunehmen ist hier leider vorprogrammiert.

Diese vermeintliche Komfortzone, in der es so kuschelig ist mit den Komplizen ‚Essen & Sofa & Filme schauen’ (das kenne ich nur zu gut) ist in Wahrheit keine Komfortzone, sondern vielmehr ist es ein KÄFIG. Aber ihr lieben Freunde da draußen, hört mir jetzt gut zu: Es ist ein Käfig, kein Gefängnis! Und dieser Käfig hat eine Tür, die offen steht. Wir können hier jederzeit raus! Aber dafür müssen wir uns aktiv entscheiden, denn am Anfang einer jeden Veränderung steht eine Entscheidung. Man muss einen Wunsch zum Ziel machen und anschließend mit einem Plan dieses Ziel verfolgen. Auf gar keinen Fall darf man in die Geringschätzung oder sogar Hass auf sich selbst gehen, sich bestrafen => sondern vielmehr in die Güte und Selbstliebe. Wie das geht? Wie ich oben schon erwähnte: Mit Verzeihen und mit dem Fokus nach vorne! Raus aus dem Käfig und rein ins Tun!

Wenn man abnehmen möchte, dann sollte man seine Sinne zu seinen Komplizen machen. Gutes einkaufen, Gutes kochen, Gutes essen. Am besten das alles teilen mit Menschen, die man mag. Natürlich werde ich mit einer großen Portion Lasagne schwer abnehmen können, aber ich kann mir – wenn ich bei diesem Beispiel bleiben möchte – Zucchini im Rohr mit einer frischen Bolognese und Parmesan machen und schon kann ich damit abnehmen. Essen hat mit Lust und Leidenschaft zu tun, nicht mit ‚Essen weglassen’ oder gar Hungern. Das armselige, trockene Hendl am zweiten Bild ist ein Symbol, wie man es nicht machen sollte. Dieses Essen stellt bloß eine Nahrungsaufnahme in Form einer leichten Eiweißquelle dar. Das hat nichts mit Lust und Leidenschaft zu  tun. Das ist ein klassisches Diätessen und die fatale Kombination aus ‚Ich muss abnehmen, weil ich mich hässlich finde’ UND einem ‚trockenen, ungewürzten Hendl ohne Kohlenhydrate’ ist zum Scheitern verurteilt. Ich weiß es. Aus eigener, persönlicher UND beruflicher Erfahrung. Schließlich begleite ich seit 14 Jahren Menschen, die etwas verändern, die abnehmen möchten. Der Erfolg meiner Klienten gibt mir jeden Tag Recht: Abnehmen funktioniert nur mit Essen. Am besten mit Essen, das auch schmeckt. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich Menschen helfen kann, aus ihrem persönlichen Käfig zu steigen, dass ich sie dabei unterstützen darf, eine Veränderung herbei zu führen, ihre Form wieder zu erlangen, die sie sich für sich selbst wünschen, das beste und schönste ICH herauszuholen. Aber immer in der Liebe und im Respekt zu sich selbst bleiben, denn EATING WELL IS A FORM OF SELF RESPECT.

In diesem Sinne – Seid lieb zu euch selbst und kocht euch und euren Lieben etwas Gutes! Und wer immer meine Unterstützung braucht => I am here.

Isabelle von Mother’s finest interviewt Ursula von easy eating

Das ist die unglaublich sympathische und schöne Isabelle, die seit mehr als 6 Jahren mit ihrem Mama-Lifestyle Blog Mother’s finest viele Frauen und Mütter inspiriert. So auch mich. Ich folge ihr seit einigen Jahren auf Instagram und natürlich ihrem Blog. Vor einigen Jahren war ich mit meiner Tochter über ein Wochenende in Amsterdam und habe viele ihrer Amsterdam Tipps ‚nachgelebt’ – das war genau nach unserem Geschmack. Vor einigen Wochen haben Isabelle und ich uns zu einem Interview getroffen. Es ging um Intermittierendes Fasten, ob man damit auch abnehmen kann. Aber auch unterhielten wir uns, wie wir als Eltern unseren Teenagern vermitteln können, dass sie sich nicht stressen sollen, wenn die Waage mal mehr zeigt.
Sie sollen Freude am Essen haben. Das und mehr könnt Ihr im Interview nachlesen.
Viel Freude dabei!

Den Link findet ihr unter Isabelle’s Foto.

Mother’s finest

‚Eltern im Kampf gegen die Kalorien ihrer Kinder‘ Kurier vom 18.3.2019

Der Kurier hat mich zu meiner großen Freude zu einem Interview eingeladen. Hier das ungekürzte Interview zu diesem überaus wichtigen Thema:

Kurier: Wir erleben derzeit zwei Extreme: Manche Eltern machen sich Sorgen wegen jedes Stücks Zucker. Andere kaufen ihren Kindern ständig Ungesundes. Was ist sinnvoll?

UV: Die Mitte ist sinnvoll. Wir Eltern sollten die Balance für das Thema rund um die richtige Ernährung für unsere Kinder finden. Die Dinge im Kleinen enttabuisieren, damit wir sie im Großen verändern bzw. prägen können. Lassen wir den Kindern ihr Nutella auf der weißen Semmel essen im Hotel beim Frühstück. Lassen wir ihnen ihr Cola, wenn sie mal krank sind, ihren Mc Donalds, wenn wir am Weg zum Schifahren sind und bewusst als Familie auf einen Burger gehen. Aber genauso sollten wir ihr bewusstes Essverhalten prägen, indem wir zu Hause Gutes kochen und essen. Indem wir ihnen das vorleben, was wir uns für sie wünschen. Ich weiß, das ist leichter gesagt als getan, aber das ist genau die Herausforderung für uns Eltern und darin liegt der Schlüssel zu einem gesunden und bewussten Essverhalten unserer Kinder. In der Balance und in jenem Teil, den wir steuern können.

Kurier: Wie bekommt man als Familie eine gesunde Routine?

UV: Ich verwende lieber das Wort ‚bewusste’ Ernährung als immer nur ‚gesund’.Denn gesunde Ernährung ist für die meisten Kinder ein Unwort, weil es Verzicht vermuten lässt. Und mit ‚gesund’ kann ich kein Kind motivieren, sein Essverhalten zu verändern. Bewusste Ernährung ist die bewusste Entscheidung, mehr Kluges als Schlechtes zu essen. Ich entscheide mich bewusst, zu Hause CLEAN zu essen. Clean Eating ist nicht einfach ein Modetrend, sondern vielmehr eine Grundhaltung seiner Ernährung gegenüber – die Lebensmittel sind pur, so gut es geht, frei von Konservierungsstoffen und den diversen E-Nummern. Gesundes Essen beginnt beim Einkaufen, geht weiter über das Kochen und schließlich soll es auch schmecken und satt machen. Ich empfehle, die Kinder schon beim Einkaufen miteinzubeziehen. Nehmen wir die Kinder mal auf den Markt mit, in den Supermarkt, zum Bäcker. Lassen wir die Kinder das Obst und die Kräuter riechen. Lassen wir sie das knusprige Brot aus vollem Korn selbst aussuchen. Beim Kochen dürfen sie mithelfen, würzen und abschmecken. Man muss nicht kompliziert kochen! Auch eine Pizza ist ‚erlaubt’. Belegen wir sie selber, machen wir einen großen bunten Salat dazu. Machen wir gesunde, bewusste, saubere Ernährung zu einem Familienprojekt. 

Kurier: Manche Kinder sind tatsächlich zu dick. Welche Unterscheidungen machen Sie da?

UV: Die Kinder sind arm, wenn sie dick sind. Sie leiden. Auch wenn sie es überspielen, leiden sie. Der Druck in der Schule ist groß, der Druck, schlank und sportlich zu sein ebenso. Der Erwartungsdruck der Eltern ist auch groß. Eltern wollen, dass ihre Kinder glücklich und gesund sind. Eltern haben Stress, wenn das Kind zu dick ist und übertragen diesen Stress auf das Kind und machen dann leider genau das Falsche, nämlich Druck. Plötzlich heißt es: Iss das nicht, das ist zu fett, zu süß, zu viel. Die Kinder schämen sich und beginnen geheim zu essen. Sie isolieren sich, fühlen sich nicht mehr geliebt und füllen diese Leere wieder mit Essen. Der Teufelskreis hat längst begonnen. Essen tröstet, Essen füllt die Leere, Essen ist der einziger Freund und wird langsam zum Feind.  

Kurier: Was raten Sie Eltern, deren Kind etwas übergewichtig ist?

UV: Ich rate den Eltern, bewusste Ernährung zum Familienprojekt zu machen und gleichzeitig, das Kind zum Sport zu animieren. Das ist ganz wichtig! Eine Sportart zu finden, die dem Kind Spaß macht. Ich war ein etwas übergewichtiges Kind, mich hat man in einen Sportverein gesteckt, den ich hasste. Das ist dann auch kontraproduktiv. Daher ist es wichtig einen Sport zu finden, der dem Kind richtig Spaß macht. Vielleicht sogar zusätzlich am Wochenende Bewegung als Familie: Radfahren oder Wandern oder Schwimmen.

Kurier: Was raten Sie Eltern, deren Kind massiv übergewichtig ist?

UV: Einfühlsame Ärzte und eine Psychotherapie. Wenn ein Kind massiv übergewichtig ist, braucht es professionelle Hilfe. Das können die Eltern alleine nicht mehr ‚schaffen’. Aber Vorsicht bei der Wahl: Schauen Sie sich den Arzt, die Ärztin, den Therapeuten, die Therapeutin genau an. Ich empfehle, die Kinder bei den ersten Terminen zu begleiten. Es müssen kompetente und gefühlvolle Menschen sein, denn das Thema ist ein hochsensibles.

Kurier: Wer sollte Eltern dann ins Gewissen reden?

UV: Ich als Ernährungsberaterin führe intensive Elterngespräche. Ich coache sozusagen die Kinder über die Eltern. Ich versuche den Eltern beizubringen, wie sie dieses große, wichtige Thema behutsam in die Familie bringen können. Ich unterstütze somit indirekt die Kinder und Jugendlichen. Oft ist nur ein Kind übergewichtig und die Geschwister nicht. Die Kinder sollen sich unterstützt fühlen und nicht wie ein Außerirdischer, der eine gesonderte Behandlung braucht. Es soll und muss ein Familienprojekt werden, in dem Essen ein Freund und nicht ein Feind ist. Es soll Spaß machen und schmecken. 

Kurier: Wie mobilisiert man ein Kind, dass es nicht hinter dem Rücken der Eltern wieder Süßes in sich hineinstopft?

UV: In dem man Geduld mit dem Kind hat und Vertrauen in die Machbarkeit der Veränderung. Projekte brauchen seine Zeit. Beschämen wir die Kinder nicht, wenn wir es merken sondern finden wir heraus, was sie brauchen. ‚Was kann ich tun, wie kann ich dich unterstützen, dass du dich so richtig gut fühlst in deinem Körper?’ Geben wir den Kindern Mut und Zuversicht und ganz viel Liebe. 

Kurier: Was kann man machen, wenn man glaubt, dass das eigene Kind unter Bulimie leidet?

UV: Bulimie ist leider weit verbreitet. Bulimie ist ja nicht nur die Ess-Brech-Sucht sondern auch Essen und eine Gegenmaßnahme treffen, also Ess-Sucht und danach strenge Diät halten oder exzessiven Sport machen. Auch das ist Bulimie. Beobachten wir unsere Kinder, beschämen wir sie nicht, sondern unterstützen wir sie. Ich würde mir eine Psychotherapeutin suchen, die ich zuerst als Mutter (als Eltern) alleine aufsuchen würde und mit dieser Therapeutin, diesem Therapeuten würde ich mich besprechen, wie die nächsten Schritte aussehen könnten. Denn auch Eltern brauchen kompetente Unterstützung, wenn ihr Kind an einer Essstörung leidet. Das Thema ist viel zu wichtig und wir alle haben darin keine Ausbildung, daher unbedingt vom Spezialisten Unterstützung holen.

Kurier: Was halten Sie von Diät-Camps?

UV: Wenn diese Camps kompetent, gefühlvoll und mit einer Leichtigkeit gestaltet sind, dann halte ich sehr viel davon. Denn in der Gruppe lässt es sich leichter und vor allem spielerisch abnehmen. Man ist mal für 2 Wochen ‚weg’, hatte Spaß, hat abgenommen, fühlt sich gut und nun kann man als Eltern zu Hause das Familienprojekt ‚Bewusste Ernährung’ ins Leben rufen. Daher sage ich Ja zu guten Diät-Camps aber nur in Verbindung mit einer anschließenden Ernährungsumstellung zu Hause!

Kurier: Gibt es einen Trick aus Ihrer Erfahrungs-Schatzkiste, wie Eltern übergewichtiger Kinder den Umschwung schaffen?Wie schon oben mehrmals erwähnt: Ein Familienprojekt ins Leben rufen.

UV: Gemeinsam einkaufen, gemeinsam kochen, gemeinsam essen. Lässige, familientaugliche Kochbücher kaufen, Freude am Experimentieren haben, die Kinder intensiv miteinbeziehen. Aufmerksamkeit geben statt Druck machen. Unterstützen statt beurteilen. Bei Rückschlägen umso mehr Liebe geben. Diäten sind kurzfristig und frustrieren, weil die abgenommen Kilos gleich wieder oben sind. Man hat das neue Gewicht, das neue Körpergefühl verloren und fühlt sich dann auch als Verlierer, als Loser. Eine Ernährungsumstellung ist die Langstrecke und das einzige, was Sinn macht. Doch benötigt es uns Eltern. Ich versichere Ihnen: Der Aufwand lohnt sich allemal, wenn das Ergebnis ein glückliches Kind ist.


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