Ist Zucker böse? Ich sage Ja.

14. März 2018, Ursula Vybiral

Sorry, dass ich so eine Spaßbremse bin. Aber Ja, Zucker ist wirklich böse. Das Freiraum-Magazin hat mich vor kurzem eingeladen, Fragen rund um Zucker & Co zu beantworten. Das habe ich gerne getan und stelle es nun auch genauso gerne hier in meinem Blog:

Essen wir zu viel Zucker?

Ja, wir essen viel zu viel Zucker! Zucker macht dick, Zucker macht krank, Zucker macht süchtig. Das sage nicht nur ich, sondern auch der deutsche Bestseller Autor Hans-Ulrich Grimm (‚Wie uns die Zuckermafia krank macht’), der dem Zucker und seinen Auswirkungen wissenschaftlich bereits seit Jahren auf der Spur ist. Auch der amerikanische Bestseller Autor und Arzt Dr. Robert H. Lustig beschreibt das ausführlich in seinem Buch ‚Die bittere Wahrheit über Zucker’. Und obwohl wir das alles wissen, essen wir alle tagtäglich viel zu viel Zucker. Aber geht ein Leben ohne Zucker? Ich glaube nicht. Denn wir können ihm kaum entkommen. Überall ist er drin, der böse Zucker. Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) empfiehlt 60 Gramm täglich nicht zu überschreiten, das entspricht ungefähr 20 Stk. Würfelzucker. ‚Das ist doch eh viel’, werden Sie jetzt vielleicht denken. Ja, wenn Sie nur an das zusätzliche Süßen denken, aber der Zucker, der ist überall versteckt. Sogar dort, wo Sie ihn nie und nimmer vermuten würden.2 Gläser Apfelsaft und Sie haben Ihr tägliches Quantum bereits aufgebraucht. Der Österreicher kommt im Schnitt auf 100 g pro Tag. 

Welche Auswirkungen hat ein hoher Konsum von Zucker?

Rund 20 % der Jugendlichen in Österreich sind übergewichtig, jeder zweite erwachsene Österreicher hat NICHT das Gewicht, das er sich für sich wünscht. Laut der WHO sind weltweit mehr als 1 Milliarde Menschen übergewichtig. Man stelle sich vor: Das sind mehr als alle Einwohner der EU, der USA und Russlands zusammen.  Zu viel Zucker, zu viel Fett, zu wenig Bewegung sind die Hauptgründe dafür.

Wie kann man den eigenen Zuckerkonsum reduzieren?

Die Lebensmittelindustrie macht es einem sehr schwer, sich im Zucker-Dschungel auszukennen. Sie reichern unsere Nahrungsmittel mit verstecktem Zucker an. Denn Zucker hat viele Namen: Fruktose, Glukose, Maltodextrin, Laktose, Maltose, Maltit, Saccharose, Sorbit, Xylit, Isomalt uvm. Wahrscheinlich haben sie einige davon noch nie nicht gehört. Wenn wir den Zucker reduzieren möchten, müssen wir leider selbst die Verantwortung für uns und unsere Kinder übernehmen. Das bedeutet konkret: Informieren Sie sich, was es für Zuckerarten gibt und ‚studieren’ Sie die Verpackungen genau, um anschließend die richtige Entscheidung treffen zu können. Unserer Gesundheit und unserem Wohlbefinden wegen. Stellen Sie sich vor: Im Ketchup sind 210 g Zucker auf 1000 g, im Multivitaminsaft 114 g auf 1 Liter, Kindermilchschnitte besteht aus 29 % Zucker. Die Vollkorn Flakes  von Nestle bestehen beinahe aus einem Drittel Zucker (29 %). Gummibären bestehen überhaupt aus 46 % Zucker! Nur weil uns die Werbung sagt, dass in Gummibären kaum Fett ist oder die Frühstück-Flakes aus Vollkorn sind (auch nur 39 %, der Großteil besteht wieder nur aus weißem Weizen) sind sie noch lange nicht gesund. Genau das ist das Problem. Die Industrie lenkt uns ab und wir alle lassen uns gerne ablenken. Aber auch wenn es nicht bequem ist und wir diese Details über einige unserer geliebten Lebensmittel gar nicht wissen möchten, so ist dies doch der Schlüssel zu einer gesünderen Ernährung. Betrachtung bringt Erkenntnis. Informieren Sie sich daher über die LEBENSmittel, die Sie einkaufen. In den Restaurants sind wir ohnedies ‚abhängig’, was man uns auf dem Teller serviert, aber zu Hause können wir selbst bestimmen. Und das sollten wir auch tun.

Sind Entzugserscheinungen normal?

Ihr Körper (und auch Ihr Gehirn) muss sich erste auf das Weglassen des Zuckers gewöhnen, das ist für viele gar nicht so einfach. Manche leiden ein paar Tage an Kopfweh oder schlafen schlecht, sind weniger leistungsfähig, vielleicht sogar etwas niedergeschlagen  – aber das vergeht nach ein paar Tagen. Lenken Sie sich ab, unternehmen Sie etwas Schönes oder Sie schauen Sie sich sogar den Film ‚That Sugar Film’ bzw. ‚Voll verzuckert’ an, das wird Ihnen helfen, nicht rückfällig zu werden. Nach ein paar Tagen werden Sie sich besser denn je fühlen. Später bekommt der Zucker in Ihrem Leben einen neuen Platz, einen viel bewussteren.

Ist Zucker gleich Zucker?

Zucker hat viele Gesichter, und alle gehören zur Familie der Kohlenhydrate: Dextrose, Saccharose, Maissirup, Maltose, Maltodextrin, Laevulose, Glukose, Galaktose, Kandisfarin, Laktose, Farin, Karamell, Honig, Isoglucose, Raffinade, modifizierte Stärke, Fruktose sowie alle weiteren Sirup- Zucker- und Glukosearten. Auch wenn es uns nicht gefällt: Zucker ist neben Fett der Hauptauslöser für Übergewicht. Egal ob Weißer Zucker, Rohrzucker, Vollrohrzucker, Brauner Zucker – Zucker bleibt Zucker, egal wie er genannt wird. Honig zB. enthält gesunde Inhaltsstoffe, besteht aber zu 80 Prozent aus Zucker. Daher sollte auch er in Maßen zu sich genommen werden.

Ist Fruchtzucker eine gute Alternative für industriellen Zucker?

Ja und nein. Hier muss man unterscheiden: Fructose ist nicht gleich Fructose. Für den menschlichen Organismus macht es einen Riesenunterschied, ob der Fruchtzucker in Form von Obst im Körper landet oder als Bestandteil eines Schokoriegels, Fertigkuchens oder einer Limonade. Auch in Essiggurkerln, Ketchup und Dressings finden wir Fructose – nämlich den hochkonzentrierten und industriell gefertigten ‚bösen’ Fruchtzucker und Fruchtzuckersirup. Die Lebensmittelindustrie verwendet gerne Fructose, zum einen, weil sie intensiver süßt, zum anderen, weil die meisten Konsumenten bei der Bezeichnung Fructose etwas Gutes vermuten. Daher ist meine Antwort: Fructose JA in Form von Früchten, diese aber bitte auch nicht unbegrenzt und NEIN zu industriell hergestellter Fructose!

Was sind deine Tipps wenn die Lust auf Zucker aufkommt?

Ich esse Obst in der Früh oder auch mal selbstgemachte Marmelade mit einem sehr hohen Fruchtanteil. Ab und zu ein Stück Schokolade, am liebsten die 70 %-ige. Wenn mich die Süßlust überkommt, mache ich mir ein ‚fettes’ Biojoghurt  (5%) mit Nüssen, Banane, Zimt und wenn es immer noch nicht süß genug ist, gebe ich Kokosblütenzucker dazu. Ein Trick ist auch, einen Vanille-Tee zu machen mit etwas Milch und Honig. Das stillt am schnellsten meinen Zuckerlustanfall. Und wenn es gar nicht funktionieren sollte, dann gebe ich meiner Lust nach und gönne mir etwas Süßes. Und es passiert auch nix. Denn die Dosis macht das Gift. 

Das Interview nachzulesen: http://www.freiraum-magazin.at/zuckerfrei-essen-wir-zu-viel-zucker/

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