Warum ich Erdbeermarmelade mit bösem Zucker mache? Weil ich’s will.

27. Mai 2018, Ursula Vybiral

Sonntag Morgen. Im Radio jetzt gerade Lionell Richie ‚Easy like sunday morning‘ Witzig, dass es diesen Song aus meiner Jugend, den ich sehr mag, gerade jetzt spielt, wo ich im Sunday Morning Mood bin. Als hätte ich es bestellt. So lässt es sich bloggen. Heute widme ich mich der Marmelade. Nicht der Konfitüre (wie das schon klingt), sondern der good old Marmelade. Übrigens, die EU Verordnung sieht vor, dass man nur mehr Konfitüre für den ‚legga Brotaufstrich‘ sagen also schreiben darf – in ganz Gallien? Äh –  in der ganzen EU? Nein, ein unbeugsames Dorf namens Austria Romana mit seinen 8,8 Millionen Einwohnern ‚hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten‘ (Originaltext aus Asterix) und hat durchgesetzt, dass wir hier bei uns auch weiterhin Marmelade sagen dürfen. Es gibt so viele Sorten, wie man die eingekochten Früchte mit Zucker verfeinern kann. Mit Minze, mit Chili, mit Schokolade, mit Banane, mit Nüssen, mit Ingwer, mit Basilikum, sogar seit neuestem mit Insekten (von der Firma Zotter). Für mich ist das alles nichts! Ich mag das gar nicht. Bei mir muss eine Marmelade old fashioned wie in meiner Kindheit schmecken. Beim Essen sind körperliche Bedürfnisse mit Stimmungen, Emotionen, Gewohnheiten und eben auch mit Traditionen verknüpft. Bei einer Erdbeer- oder Marillenmarmelade lade ich meine Seele zum Essen ein. Ich verbinde damit ein schönes Gefühl. Ein Gefühl meiner Kindheit beim Sonntagsfrühstück mit frischem Semmerl oder einem Striezel und der selbst gemachten Marmelade meiner Mutter. So wie sie kaufe ich die Erdbeeren im Marchfeld und die Marillen in der Wachau. So wie sie verarbeite ich die Früchte gleich nach dem Kauf (ein paar Stunden nach der Ernte), füge einen ganz normalen Zucker hinzu und den Saft einer Zitrone. Das Glas und den dazugehörigen Deckel spüle ich mit Rum aus. Ich habe im Übrigen schon alle anderen Zuckerarten ausprobiert und bin zu dem Entschluss gekommen, dass es für das Geschmackserlebnis Erdbeermarmelade (gilt auch für jede andere Frucht) nur den ganz normalen Gelierzucker gibt (allerdings 3:1 und in Bioqualität). Halb so schlimm. Ich achte im täglichen Leben sehr darauf, wo überall Zucker enthalten ist, mache sogar meinen ‚Suppenwürfel‘ selber, weil ich nur da sicher sein kann, dass kein Zucker darin versteckt ist. Aber bei der Marmelade muss es der normale, der ganz böse sein. Denn mit keinem anderen Zucker bekomme ich diesen Geschmack hin, nach dem ich mich sehne. Und auch hier halte ich es mit Paracelsus: Die Dosis macht das Gift. Eine selbstgemachte Marmelade ist auch ein wunderbares Gastgeschenk, ein willkommenes noch dazu. Außerdem finde ich, dass man eine Marmelade nicht kauft, sondern selber macht. Ist so easy und macht froh. So aber jetzt schließe ich diesen Eintrag und setze mich zu meinem Brioche, mit etwas Butter und meiner frischen Erdbeeringer und lasse den Sonntag easy beginnen. Am Nachmittag bringe ich Mama ein Glas oder vielleicht sogar zwei. Einen schönen Sonntag euch allen da draussen. Eure Ursula

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