Nimmt man ab, wenn man das Frühstück auslässt? Ich sage Nein! Man nimmt sogar zu!

26. Oktober 2018, Ursula Vybiral

Seit ich 2006 meine easy eating Methode entwickelt hatte, sind mir, wie man sich vorstellen kann, sehr viele abnehmwillige und auch abnehmgeschädigte Menschen begegnet mit den unterschiedlichsten Ausgangssituationen und den unter-schiedlichsten Lebensumständen. Bei jenen Personen, die beträchtlich übergewichtig waren, gab es eine signifikante Gemeinsamkeit: Sie alle hatten nicht gefrühstückt. 

Warum verzichten eigentlich so viele Menschen auf das Frühstück? Der Hauptgrund ist das Einsparen von Kalorien, gefolgt von ’noch voll vom Vorabend‘ zu sein. Das erste, was ich meinen Schützlingen auftrage ist => zu frühstücken. Man muss nicht um 7:00 Uhr frühstücken, während man nebenbei die Kinder für die Schule fertig macht oder wenn man im Stress, in Eile ist. Aber man kann irgendwann mal zwischen 8:00 und 10:00 Zeit und Muße für sein Frühstück erübrigen. Das sollten wir uns wert sein.Spätestens wenn uns bewusst wird, dass uns der Verzicht auf das Frühstück zunehmen lässt, spätestens dann sollte man bereit sein, diese wunderbare wichtige erste Mahlzeit am Morgen in sein Leben zu integrieren und vielleicht sogar zu zelebrieren. Seit Jahren vertrete ich die Meinung, dass wir, wenn wir das Frühstück auslassen am Ende des Tages an Gewicht zulegen. Zum einen, weil wir uns selber vorgaukeln, mittags und abends nun mehr essen zu dürfen, zum anderen, weil den meisten nicht bewusst ist, dass die 500 kcal eines soliden Frühstücks schneller verbrannt sind als die gleiche Speise nachmittags oder abends. Wenn man das einmal verstanden hat, dann ist man auch bereit, diese schlechte Ernährungsgewohnheit in eine gute umzuwandeln. Vor kurzem las ich im Standard genau zu diesem Thema einen sehr aufschlussreichen Bericht, Teile davon verwende ich im anschließenden Text.

Vergangenes Jahr stellten US-Forscher ihre Studie im Journal of Nutrition vor, für die sie die Essgewohnheiten von 50.000 Probanden über sieben Jahre genau beobachteten. Ihr Resümee: Wer die größte Kalorienmenge als Frühstück zu sich nahm, konnte sein Gewicht deutlich reduzieren. Wer mittags am meisten aß, hielt sein Gewicht (immerhin). Die Probandengruppe, die am Abend viel aß, legte deutlich an Gewicht zu. Der Verdauungsprozess soll früh am Tag am effektivsten arbeiten. Die gleiche Mahlzeit am Abend gegessen, so die Forscher, könnte dazu führen, mehr Gewicht anzusetzen, da die Bauchspeicheldrüse anscheinend morgens mehr Insulin ausschüttet, um die Glukose aus dem Blut zu bekommen, als am Abend. Über ähnliche Erkenntnisse berichteten israelische Forscher schon ein paar Jahre zuvor im Fachblatt Obesity. Sie setzten Dutzende Übergewichtige zwölf Wochen lang auf Diät. Die eine Teilnehmergruppe nahm ihre Hauptmahlzeit morgens zu sich und hatte am Ende zweieinhalb mal mehr Kilos abgenommen, als jene Teilnehmer, die immer erst mittags aßen. Eine andere Forschergruppe um James Betts von der University of Bath in Großbritannien ließ eine Gruppe frühstücken, die andere Gruppe überging die morgendliche Mahlzeit. Die Ergebnisse waren überraschend: Durch ihr üppiges Frühstück nahm die eine Gruppe über den Tag gesehen zwar mehr Kalorien zu sich, allerdings, das zeigten Bewegungstracker an ihren Handgelenken, verbrannten sie auch mehr Kalorien. Zudem blieb in der Frühstücks-Gruppe der Glukosespiegel im Blut für den Rest des Tages stabiler, was besser für den Zuckerstoffwechsel ist. Die bisherigen Ergebnisse rund um die erste Mahlzeit des Tages decken sich überraschend deutlich mit den Empfehlungen von Chronobiologen. Sie sagen: Jedes Organ hat seinen eigenen Zeitplan. So arbeitet beispielsweise die Verdauung nur zu bestimmten Zeiten besonders effektiv, denn dann hat der Körper die Verdauungsorgane dafür vorbereitet. Wer zu anderen Zeiten isst, könnte daher eher ansetzen. Vor allem zwischen acht und zehn Uhr vormittags fährt der Körper hoch und braucht viel Energie, die ihm ein Frühstück liefert. Denn zwischen zehn und zwölf Uhr erreicht der Körper sein geistiges und körperliches Leistungshoch. Gegen Mittag entwickelt der Körper den größten Hunger, die Verdauungsorgane sind bereit, die Galle bildet Verdauungssäfte, um Fette und Kohlenhydrate gut zu verarbeiten. Auch zwischen 18 und 20 Uhr sind Leber und Bauchspeicheldrüse aktiv, allerdings eher zurückhaltend => zum Abbau von Kohlenhydraten braucht der Körper abends dreimal so lange wie beim Frühstück.

Meine Empfehlung: Lassen Sie sich Ihr Frühstück gut schmecken. Frühstücken Sie ohne Reue so viel bis Sie satt sind und am besten in Ruhe. Wählen Sie hochwertiges Getreide, eine gute Eiweißquelle und dazu Obst oder Gemüse. An einem Tag essen Sie ein Müsli mit Joghurt (bitte keine fettreduzierten) dazu frische Früchte (Banane, Apfel, Birne, Beeren) und Nüsse. An einem anderen Tag gönnen Sie sich ein knuspriges Brot mit Butter und Schnittlauch, mit Avocado, einem Ei und dazu Paprika und Tomaten, am Wochenende vielleicht sogar beides hinter einander. Die Generationen vor uns hatten schon recht als sie sagten: Morgens essen wie ein Kaiser, zu Mittag wie ein König, abends wie ein Bettler. Wir müssen wohl alle wieder lernen, intuitiv zu essen. Essen was uns gut tut, was uns angenehm satt macht, was uns zufrieden und vielleicht sogar glücklich macht.

Schon Voltaire wusste:  
I have decided to be happy, because it’s good for my health.

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