‚Gärtnern ist mein Yoga, Gummistiefel meine Pumps‘ Gastkommentar von einer Kräuterhexe.

9. Mai 2018, Ursula Vybiral

Ursula: Vor ein paar Wochen als ich in Pernegg meine Fortbildung begann, ist mir unter den Teilnehmern gleich die wunderbare Barbara Stark aufgefallen. Eine tolle junge Frau, die sich bereits in der Vorstellungsrunde als Kräuterhexe vorgestellt hatte. Kräuter seien ihre Leidenschaft. In ein paar Minuten werdet Ihr erfahren, was damit gemeint ist. So viel Wissen gepaart mit so viel Leidenschaft. Großartig! Ich bat sie um ein Interview für meinen Blog mit Fragen und Antworten rund um die wundervolle Welt der Kräuter und ihrer Gewürz- und Heilkräfte. Meine Fragen waren unter anderem: Welche Kräuter wofür und wie verwenden? Frisch oder getrocknet? Funktioniert das auch im Topf am Balkon, auf der Fensterbank in der Wohnung? Nun übergebe ich das Wort an meine Gastautorin Barbara und wünsche euch viel Freude beim Lesen! 

Barbara: Was für eine Freude, liebe Ursula, dass ich über mein Lieblingsthema hier bei dir auf deinem Blog schreiben darf. Ich bin vor ca. 7 Jahren so richtig aufs Kraut gekommen – genauer gesagt auf den Lavendel. Derzeit leben bei mir 13 Stück mit dem wundervoll klingenden Namen Lavandula angustifolia. Schon damals wuchsen und gediehen sie und ich hatte gleich im ersten Jahr eine beträchtliche Ernte. Ja und so begann dann die Kräuterleidenschaft – in Folge begann ich ihn zu trocknen, in der Küche als Gewürz zu verwenden, stellte Sirup her (im Übrigen ausgesprochen empfehlenswert zu einem guten weißen Spritzer oder einem Glas Prosecco!), benutzte ihn als Badezusatz, verwendete den Getrockneten für Tees und verarbeitete ihn in kleine Duftsäckchen oder Kräuterkissen als Geschenke. Ich recherchierte weiter und dabei ergab dann eins das andere – ich entdeckte die großartige Hildegard von Bingen, Paracelsus und eine Vielzahl an lesenswerten Büchern, die sich mit Kräutern und ihrer Heil- und Würzkraft beschäftigten und es war um mich geschehen. Schlussendlich leben bei uns eine Vielzahl an Kräutern, die ich kulinarisch (Gewürze), zu Heilzwecken (Tee, Tinkturen, Liköre, Wickel) und kosmetisch (Ölauszüge, Salben, Seifen) in meiner kleinen „Hexenküche“ verwende. Mittlerweile verschönern unseren Garten so an die 55 verschiedenen Kräuter – manche davon verwende ich permanent, manche nur ab und an, einige wachsen bei uns einfach nur so. Die meisten leben bei mir in eigens angelegten Kräuterbeeten, manche wachsen dort, wo sie gerade wollen und andere wieder, leben in Töpfen. Wo wir bei der Frage landen, ob und vor allem welche Kräuter in Gefäßen auf der Terrasse, am Balkon oder der Fensterbank wachsen können.

Durchaus ist es möglich neben den Klassikern wie Schnittlauch, Oregano, Basilikum, Petersilie, Rosmarin und Kresse Kräuter in Töpfen anzubauen. Wie auch beim Anbau im Garten sollte darauf geachtet werden, welcher Standort, welche Art des Topfes (Tontöpfe sind sehr gut, da sie durchlässiger sind), welches Gießverhalten, etwaiges Düngen und dergleichen notwendig sind. Hierzu kann ich nur empfehlen entweder im Internet zu recherchieren oder vielleicht noch besser zu einem Buch zu greifen.

Hier eine Auflistung einiger meiner Lieblingskräuter, bei denen ein Anbau auf kleinerer Fläche durchaus möglich ist und die meiner Meinung nach, nicht fehlen dürfen: Borretsch: Er wird auch Gurkenkraut genannt und der Name ist im wahrsten Sinne des Wortes Programm. Seine Blätter – vor allem die jungen – verfeinern Salate, Kräuteraufstriche und allerlei anderes, worauf man gerade Lust hat, mit ihrem gurkigen, leicht salzigen Geschmack. Das Tüpfelchen auf dem I ist sein dekoratives Äußeres – seine Blüten machen sich in Eiswürfel eingefroren wunderbar in so manch’ sommerlichen Getränk. Wenn er hier Erwähnung findet, dann auch gerade deshalb, weil er in Töpfen gut anzubauen ist – eventuell in Kombination mit dem einen oder anderen Kraut, wie beispielsweise Schnittlauch oder Oregano.

Minze: Der frische, fruchtige Geschmack und Geruch vieler Arten macht so manch Speise und Getränk noch lebendiger. Ich verwende die Blätter derzeit gerne in einem selbstgemachten „Topfenkas“ (250g Topfen, 250g Sauerrahm, Kräuter und Gewürze nach Lust und Laune). Im Sommer verwende ich die Blätter sehr gerne als erfrischendes Detail in Getränken und wer kennt ihn nicht den guten alten Pfefferminztee – hierzu nehme ich hauptsächlich die getrockneten Blätter.

Ringelblume: Diese Pflanze ist eine meiner persönlichen Favoriten – alleine schon, weil sie in ihrer Blüte wunderschön aussieht, extrem pflegeleicht ist und ich sie vielseitig anwende. Auch hier gilt wieder – sie ist in Töpfen und Blumenkästen anzubauen. Ich verwende sie frisch und getrocknet – mit beiderlei lassen sich Ölauszüge herstellen, die dann bei mir hauptsächlich zu einer wundervollen Calendulasalbe verarbeitet werden. Für den Winter verfeinern die getrockneten Blütenköpfe so manchen Tee.

Kamille: Wieder eines dieser Kräuter, das ich nicht missen möchte. Sieht wunderschön aus, riecht traumhaft und kann vielseitig verwendet werden. Auch hier ist wieder ein Anbau im Topf möglich. Mit den frischen Blüten setze ich Ölauszüge an, die dann wiederum in selbstgemachter Naturkosmetik Einsatz finden. In hochprozentigem Alkohol lasse ich die Kamille zu einer Tinktur reifen. Haupteinsatz findet sie allerdings in getrockneter Form im Tee.

Salbei: Ja, auch der Salbei wächst ganz gut im Topf – hier würde ich aus persönlicher Erfahrung, wie eigentlich bei den meisten Pflanzen, zu einem Tontopf greifen. Er kann sowohl frisch, in der Küche, als auch getrocknet verwendet werden. Ich versuche den Salbei immer in größeren Mengen für die Erkältungszeit zu trocknen, da er ein hervorragendes Halswehmittel ist.

Thymian: Noch so ein Lieblingskraut von mir. Wiederum eine Gewürz- und Heilpflanze, die auch in kleineren Gefäßen ein guter Begleiter sein kann. Auch hier gilt, er kann wunderbar frisch und getrocknet eingesetzt werden. Ich würze so gut wie laufend damit und zwar ganz nach Gefühl, wie es mir gerade einfällt – ich gehe dann einfach meinen Garten ab und sehe, was mich intuitiv anspricht – das kommt dann hinein. Natürlich wird auch der Thymian wieder in rauen Mengen getrocknet. Er ist ein fixer Bestandteil meiner Erkältungstees und kommt bei allfälligen Inhalationssitzungen ebenfalls zum Einsatz. Vor einiger Zeit bin ich durch Zufall auf ein am ersten Blick eher außergewöhnliches Rezept gestoßen, das allerdings ausgesprochen schmackhaft ist: Knoblauch – Honig – Thymian – Butterbrot. Dazu schneide ich eine Knoblauchzehe in kleine Stückchen und verteile diese gemeinsam mit ein wenig getrocknetem Thymian auf ein Honigbrot – für mich persönlich eine würzig – süße Geschmacksexplosion und gesund noch dazu!!

Ysop: Auch der wunderschön blühende Ysop wächst im Topf ganz gut. Genauso wie Thymian und Salbei gehört er in getrockneter Form zu meiner Standardauswahl für einen Husten – und Bronchialtee. Frisch findet er das ganze Jahr über Verwendung in allen möglichen Speisen.

Zu meiner persönlichen Standardausrüstung an Getrocknetem zählen übrigens: Käsepappel (wilde Malve), Thymian, Salbei, Ysop, Eibisch, Kümmel, Fenchel, Kamille, Spitzwegerich, Kornblumen, Hopfen, Schafgarbe, Zitronenmelisse und Königskerze.

Wichtig, wie ich finde bei allen Dingen im Leben, ist, dass die Dosis das Gift macht!! Hat schon Paracelsus vor 500 Jahren gewusst. Stets gut nachlesen, was, wann, wie oft, wie lange und vor allem wofür verwendet werden darf und kann.

In diesem Sinne verabschiede ich mich für heute mit den Worten: Gärtnern ist mein Yoga, Gummistiefel meine Pumps, Eure Barbara.

Barbara Stark, 40 Jahre, leidenschaftliche Mutter von Lena, Moritz und Madita, geliebte Frau des besten Mannes der Welt, Kräuterfee oder -hexe, Blumenkind, Naturbestaunerin, zuagraste Woidviertlerin, Landkind, kulturbegeisterte Hobbysängerin, Pflanzenflüsterin, Dipl. Sozialarbeiterin, ärztlich geprüfte Fastenbegleiterin i. A., Dipl. Ernährungstrainerin i.A.;

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